Wochenende der Barockmusik
Schauspielmusiken
Dozentin: Prof. Dr. Silke Leopold, Heidelberg Samstag, 14. November - Sonntag, 15. November 2026 Heinrich-Schütz-Haus Bad Köstritz
Zeitplanung
Samstag, 14. November 2026 Seminar 9:30 - 17:00 Uhr
Sonntag, 15. November 2026 Seminar 9:30 - 14:00 Uhr Konzert 17:00 Uhr Ensemble amarcord
Kirche St. Leonhard Bad Köstritz
England um 1600: John Dowland, die Melancholie und wie man sie in Musik setzt
1626 gedenken wir des 400. Todestages von John Dowland, der für die englische Musik um 1600 ähnlich bedeutend gewesen ist wie Claudio Monteverdi für die italienische und nur wenig später Heinrich Schütz für die deutsche Musik.
Das mag umso mehr verwundern, als Dowland die längste Zeit seines aktiven Lebens als Lautenist und Komponist gar nicht in England, sondern auf dem Kontinent tätig war, in Frankreich, in Wolfenbüttel und Kassel, in Italien und Dänemark. Und als er dann endlich 1612, mit fast 50 Jahren, am englischen Hof die ersehnte Anstellung als Lautenist fand, gab er das Komponieren fast vollständig auf und setzte sich offenbar auf seinem komfortablen Posten zur Ruhe. Mit seiner Musik, insbesondere mit seinen continuobegleiteten Liedern und seinen Kompositionen für Laute solo, hat Dowland seiner Zeit einen ganz eigenen, unverwechselbaren Sound gegeben und die Melancholie, eine Modekrankheit in England an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert, in die Klangwelt des Gesangs und des Instrumentalspiels übertragen. John Dowland war einer der ersten Komponisten, in deren Musik viel von den zeitgeschichtlichen Befindlichkeiten einfloss.
Es lohnt sich, seine Lautenlieder und -fantasien nicht nur für sich zu betrachten, sondern auch auf die Ereignisse rund um Königin Elisabeth I. und ihren Nachfolger James I., insbesondere auf die Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken in England zu beziehen.
Silke Leopold, 1948 in Hamburg geboren, studierte Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft, Romanistik und Literaturwissenschaft in Hamburg und Rom, wo sie nach der Promotion drei Jahre als Forschungsstipendiatin des Deutschen Historischen Instituts arbeitete. Als Assistentin von Carl Dahlhaus lehrte sie an der TU Berlin, außerdem von 1985 - 1986 an der Harvard University und 1988 an der Universität Regensburg. 1987 habilitierte sie sich an der TU Berlin. Von 1991 - 1996 war sie Ordinaria für Musikwissenschaft an der Universität/Gesamthochschule Paderborn und der Musikhochschule Detmold, von 1996 – 2014 war sie Ordinaria und Direktorin des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Heidelberg.
Ihre Veröffentlichungen umfassen ein breites Spektrum der Musikgeschichte vom 15. bis ins 20. Jahrhundert, mit einem Forschungsschwerpunkt im Bereich der italienischen Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts. Ihre Monteverdi-Monographie (1982) erschien 1991 auch in englischer Sprache. Ihre zweibändige Habilitationsschrift unter dem Titel Al modo d'Orfeo. Dichtung und Musik im italienischen Sologesang des frühen 17. Jahrhunderts wurde 1995 veröffentlicht. Weitere Buchveröffentlichungen sind das gemeinsam mit Robert Maschka verfasste Who's who in der Oper (1997) sowie der Symposiumsbericht Claudio Monteverdi und die Folgen (1998). 1999 erschien im Metzler-Verlag der von ihr konzipierte und gemeinsam mit Ullrich Scheideler herausgegebene Oratorien-Führer. In der Reihe „Handbuch der musikalischen Gattungen“ erschien 2004 ihr Band „Die Oper im 17. Jahrhundert“. Im gerade eben veröffentlichten Schütz Handbuch ist sie mit einem Beitrag zu „Venedig“ und den „Italienischen Madrigalen“ vertreten.
Silke Leopold, Dent-Medal-Preisträgerin 1986, war von 2001–2007 Prorektorin der Universität Heidelberg. Sie ist Corresponding Member der American Musicological Society, Mitglied im Beirat des Deutschen Historischen Instituts in Rom, Mitglied in der Akademie für Mozartforschung der Stiftung Mozarteum Salzburg, Ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften sowie Sprecherin der Kommission Musikwissenschaftliche Editionen der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften.
Sie ist Gründungsmitglied und Vorsitzende der Schütz-Akademie e.V., dem Förderverein des Heinrich-Schütz-Hauses Bad Köstritz. 2024 erhielt Sie für Ihre Verdienste um die Alte Musik (und nicht nur diese) den Internationalen Heinrich-Schütz-Preis.
